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In Case You Were Sleeping: Facebook Edition

“In an age of unlimited fiat currency printing, all value flows to scarce assets – and Bitcoin is the scarcest liquid asset in history.”

Robert Breedlove

Key Takeaways

  • Am 10 Juli lag der Bitcoin-Preis erstmals wieder bei über 13000 US Dollar. Gleichzeitig ist auch das Handelsvolumen im Vergleich zum Monatsdurchschnitt um 20 Prozent gestiegen. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass wir uns an der Schwelle zu einem Bullenmarkt befinden.
  • Auf Twitter hat sich Donald Trump zu Bitcoin geäussert. Fan ist er von Kryptowährungen nicht. Schliesslich stellen Bitcoin und Libra den US Dollar als globale Reservewährung infrage. Interessanterweise vertrat der Vorsitzende des Federal Reserve System eine etwas neutralere Sicht und beschrieb Bitcoin als ein spekulatives Wertaufbewahrungsmittel, das Gold ähneln würde.
  • Die Schwestergesellschaft der New York Stock Exchange, Bakkt, soll endlich die Beta-Version ihrer physischen Bitcoin-Futures lancieren. Dies dürfte den Bitcoin-Markt weiter beflügeln. Der öffentlche Start wird für das Ende dieses Quartals erwartet.

Ist der Frühling endlich da? Die Bitcoin-Preise haben seit April einen bemerkenswerten Anstieg erlebt.  Viele neue Projekte schießen aus dem Boden, bestehende tragen neue Früchte. Und dann ist da noch Mark Zuckerberg und sein Plan für eine Facebook-Coin.

Der NYT-Indikator

Manchmal ist es unheimlich, wie eng Märkte und Medien zusammenarbeiten. Man kennt das schon von Anlageklassen wie Gold. Wenn das glänzende Metall auf dem Titelblatt der örtlichen Boulevardzeitung landet, dann ist es Zeit zu verkaufen. Am Kryptosektor haben wir noch etwas Besseres. Hier sorgt die vielleicht bekannteste Zeitung der Welt für den verlässlichsten Indikator. Die „New York Times“.

Am 13. Jänner markierte die „Times“ das endgültige Ende des letzten Bullenmarktes mit der wundervollen Überschrift: „Alle werden irre reich nur du nicht“. Am Bild zu sehen waren zwei Krypto-Fans in Bitcoin- und Ethereum-Pullis. Da stand der Preis von Bitcoin noch bei 14.600 USD. In den drei Wochen nach dem Artikel fiel der Kurs um fast 60 Prozent und notierte kurz sogar unterhalb von 6000 Dollar.[1]

Etwas mehr als ein Jahr später schlägt die „New York Times“ wieder zu. Diesmal geht es freilich in die andere Richtung. „Das Smart Money weiß, dass Krypto noch nicht soweit ist“ berichtete die Zeitung am 2. April 2019.[2] Der pessimistische Artikel kam nur einen Tag nachdem der Bitcoin-Preis binnen weniger Stunden um mehr als 20 Prozent in die Höhe gesprungen war. Man mag es den Chefredakteuren der „Times“ verzeihen, dass sie den langfristig recherchierten Artikel nicht einfach zurückgezogen haben – am 2. April herrschte auch noch allgemeine Verwirrung, was da eigentlich geschehen war.

Immerhin kam der plötzliche Sprung von rund 4000 auf mehr als 5000 USD zu einem Zeitpunkt, als die meisten Analysten eine Fortsetzung des Bärenmarktes und neue Tiefs voraussagten. Die Mainstream-Medien, die Bitcoin schon wieder aus dem Auge verloren hatten, schoben den Preissprung sogar auf einen April-Scherz. Tatsächlich kursierte am 1. April das Gerücht in den sozialen Medien, dass die US-Wertpapieraufsicht gleich zwei Bitcoin-ETFs genehmigt hätte. In einer angeblichen „Notfalls-Sitzung“.[3]

Aber diese offensichtliche Falschmeldung war keineswegs der Grund für den plötzlichen Anstieg des Bitcoin-Preises. Tatsächlich dürfte ein einziger mysteriöser Käufer dahinter stecken, der binnen weniger Stunden auf mehreren Börsen die Summe von 100 Millionen Dollar in die Kryptowährung investiert hatte. Konkret wurden die Börsen Coinbase, Kraken und Bitstamp genutzt, wie Reuters berichtete. Ob ein einzelner Investor oder eine Institution hinter der Order gestanden ist, wissen wir bis heute nicht. Aber wir kennen die Folgen.[4]

Ein kräftiges Lebenszeichen

Nach mehr als einem Jahr in einem deprimierenden Kryptowinter sind Bitcoin und viele Altcoins wieder erwacht. In den folgenden Monaten ging es steil bergauf. Auch die Marke von 6000 USD, wo der Preis am Weg nach unten lange stehen blieb, erwies sich nicht als Hürde. Während wir diese Zeilen schreiben, steht der Preis knapp oberhalb von 8000 USD. Die Charttechniker streiten sich jetzt, ob wir bereits einem neuen Bullenmarkt sind oder lediglich eine scharfe Bärenmarktralley sehen. Der Preis erreiche am 10. Juli immerhin schon einmal 13000 USD, was einige zum Schluss kommen liess, dass wir uns bereits wieder auf bullischem Terrain befinden würden. Sollten wir jedoch eher in einer Bullenfalle getappt sein, wären trotz der zurückkehrenden Euphorie neue Tiefs möglich. Manche, wie Tyler Jenks von Lucid Investments, halten es immer noch für wahrscheinlich, dass der Bitcoin-Preis auf 1000 USD fallen könnte.[5]

Seine Kollegin Leah Wald brachte im Mai zur Unterstützung dieser Theorie das Beispiel der historischen Zuckerpreise ins Spiel. Die waren Mitte der 1970er-Jahre extrem angestiegen. Dann platzte die Blase, ähnlich wie bei Bitcoin. Ein paar Jahre später kam ein plötzlicher Anstieg, alle Indikatoren waren bullish und der Preis erreichte fast sein Allzeithoch – nur um ein zweites Mal zu kollabieren und ein neues Tief zu markieren.

Wird es bei Bitcoin ähnlich sein? Oder sehen wir tatsächlich bereits die Rückkehr des Bullenmarktes im Kryptosektor? Dass die Whales, die ganz großen Player am Bitcoinmarkt, in den neun Monaten vor dem Preisanstieg fast eine halbe Million Bitcoin zusammengekauft haben, ist ein Hinweis aber noch kein Beweis. Sie haben offenbar aus ihrer Sicht günstige Preise genutzt, können aber genauso gut wieder verkaufen, wenn die Rally an Fahrt verliert.

Langfristig betrachtet befinden wir uns immer noch in der Akkumulationsphase, argumentieren Tuur Demeester und Michiel Lescrauwaet von Adamant Capital. Sie haben den Markt in einem Paper sehr genau unter die Lupe genommen und einige Gründe für verhaltenen Optimismus gefunden.

„Wir glauben, dass sich Bitcoin in der letzten Phase dieser Baisse befindet: der Akkumulationsphase. Die aktuelle Stimmung hat sich von der Kapitulation erholt und die Blockchain zeigt uns, dass Bitcoin-Hodler wieder langfristig investiert sind. Dies wird durch unsere Drawdown- und Volatilitätsanalysen bestätigt.“

„Während niedrigere Preise immer noch möglich sind, gewinnen die Fundamentaldaten von Bitcoin an Dynamik. Das von Millennials gefeierte Ökosystem entwickelt sich rasant, sowohl als dezentrale Bottom-up disruptive Technologie als auch als unkorrelierte, hochliquide Finanzanlage für institutionelle Portfolios auf der ganzen Welt.“[6]

Wie immer bei diesen Dingen werden wir erst im Nachhinein schlauer sein. Demeester und Lescrauwaet haben ihre Analyse Mitte April veröffentlicht und sind von einer mittelfristigen Handelsspanne von 3000 bis 6500 Dollar ausgegangen. Werte, die wir seitdem bereits hinter uns gelassen haben. Die beiden Experten erwarten, dass Bitcoin in den kommenden fünf Jahren seinen „Windows Moment“ erlebt, sich also auf breiter Front als Finanzasset und im Zahlungsnetzwerk durchsetzt. Die Begeisterung der Millennials für neue Technologien und die wachsende Skepsis gegenüber traditionellen Banken sehen sie als entscheidende Treiber.

Der „Facebook-Moment“

Aber damit sind sie nicht alleine. Auch ein gewisser Mark Zuckerberg will sich ins Kryptogeschäft einmischen. Vielleicht erleben wir diesmal auch keinen „Windows-Moment“, sondern einen „Facebook-Moment“? Kaum eine große Firma dürfte so konkrete Krypto-Pläne haben wie Facebook. Als Anfang Mai Details bekannt wurden, sprang der Bitcoinpreis gleich mal in die Höhe. Der Markt scheint den Vorstoß jedenfalls als positiv zu werten.[7]

Worum geht es also? Seit einem Jahr bastelt Facebook unter dem Codenamen „Project Libra“ am Einstieg des Internetgiganten in den Bereich Zahlungen und Geld. Zuckerberg will überall gleichzeitig rein: Zahlungsverkehr, E-Commerce, Werbung und sogar ins Bankgeschäft. In Indien laufen bereits Pilotprojekte, bei denen Whatsapp-User die App für den Zahlungsverkehr nutzen können. Das macht Sinn. Gerade in Schwellenländern ist die Einführung neuer Geld-Technologien oft einfacher als in den entwickelten Industriestaaten. Zudem kann man Kunden ins Finanzsystem holen, die bisher nicht mal ein Konto haben. Aber das ist nur der erste Schritt.[8]

Medienberichten zufolge will Zuckerberg rund um seine Social Media Dienste eine ganze digitale Volkswirtschaft errichten. „Libra“ soll als Brücke und Zahlungskanal fungieren. Milliarden User sollen via Instragram direkt bei Influencern einkaufen können, auf Whatsapp sollen Händler direkt Produkte anpreisen können.

Mitte Juni berichtete das „Wall Street Journal“, dass Facebook inzwischen namhafte Partner für das Projekt an Bord geholt hat. Visa, Mastercard, PayPal und Uber sollen als Mitglieder eines Konsortiums jeweils mindestens 10 Millionen USD zur Verfügung stellen. Letztendlich will Zuckerberg aber eine ganze Milliarde aufstellen, die „Libra“ als Reserve dienen soll. Offenbar soll die Währung nicht eins zu eins etwa an den Dollar gebunden sein, sondern an einen Währungskorb bestehend aus verschiedenen staatlichen Währungen und stabilen Staatsanleihen. Das würde ihr einen eigenen Kurs geben, der aber relativ stabil sein sollte. Auch die Bezahlplattform Stripe, die Reisewebsite Booking.com und die südamerikanische Handelsplattform MercadoLibre werden mit Facebook bei „Libra“ kooperieren.[9]

Klar ist, dass Facebook keine direkte Kontrolle über die Coin haben wird. Offenbar will man gemeinsam mit anderen Konsortiums-Mitgliedern eine Blockchain betreiben, deren Regeln feststehen. Das könnte langfristig breitere Akzeptanz und Vertrauen bringen. Es sieht so aus, als würde Facebook die Blockchain-Technologie nutzen wollen, um seinen Usern eine günstige und rasche Art der Zahlung ermöglichen zu können. Wie Zuckerberg sagte: „Gold zu verschicken muss so einfach sein, wie ein Foto zu schicken.“[10]

Da macht eine Stablecoin natürlich Sinn, denn die wilde Volatilität von frei bewerteten Kryptowährungen wie Bitcoin wäre abschreckend. „Libra“ an einen Währungskorb zu binden und nicht an etwa an den Dollar entspricht auch der globalen Ausrichtung von Facebook, das außerhalb der westlichen Industrieländer am stärksten wächst.

Ob dieser Vorstoß positiv für Bitcoin ist, wie von einigen Analysten und Investoren erwartet, bleibt abzuwarten. Viele Bitcoin-Fans haben darauf hingewiesen, dass überhaupt nicht von einer Kryptowährung zu sprechen sei, wenn man sich die Pläne von Facebook ansieht. Andere halten dagegen, dass die globale Akzeptanz neuer Währungsformen durch das Projekt in jedem Fall gestärkt werden dürfte. Wie dem auch sei: Das Vorhaben Zuckerbergs entspricht in jedem Fall dem Verlangen vieler junger Menschen nach neuen, günstigen Alternativen zum herkömmlichen Geld- und Finanzsystem. In einem eigenen Kapitel werden wir uns dem Libra-Projekt daher noch etwas genauer widmen.

Adoption, Adoption, Adoption

Zurück zum „Windows-Moment“. Ausgerechnet die alte Dame Microsoft hat sich immer schon sehr offen gegenüber echten Kryptowährungen wie Bitcoin gezeigt. Schon 2014 war es möglich, die digitale Münze im X-Box-Shop einzusetzen.[11] Die Option wurde rund um die Bubble Ende 2017 wieder abgeschafft, weil Bitcoin damals als Zahlungssystem unter der Last der eigenen Popularität zu leiden hatte. Es war schlicht zu langsam und der Preis zu volatil. Aber Microsoft hat das Thema nicht aus den Augen verloren.

Mitte Mai hat der Konzern ein Projekt vorgestellt, dass Usern die Kontrolle über die eigenen Logindaten und damit über ihre Identität im Internet geben soll. Zum Einsatz kommt dabei nicht etwa eine geschlossene Blockchain oder eine Lösung auf Basis von Ethereum. Nein, Microsoft setzt auf die älteste und sicherste Blockchain von allen: auf die von Bitcoin.[12] Und ein anderer klingender Name der US-Industrie akzeptiert inzwischen Zahlungen via Bitcoin: der Telekomriese AT&T.

Source: HTC.

Das soll freilich nicht heißen, dass sich bei Ethereum nichts tun würde. Das Gegenteil ist der Fall. Die zweitgrößte Kryptowährung ist bei Unternehmen aufgrund ihrer Flexibilität seit jeher beliebt. Einzig ist bisher kaum eine Anwendung auf Ethereum-Basis bekannt, die breite Wirkung erzielen konnte. Wenn man den ICO-Boom nicht mitzählt, der ohne Ethereum auf diese Art nie möglich gewesen wäre.

Auf der Forbes-Liste der 50 größten Firmen, die etwas mit Blockchain tun, arbeiten mehr als die Hälfte mit Ethereum. Darunter finden sich Namen wie Anheuser-Busch, British Petroleum, Comcast, Amazon, Foxconn, Google, HTC, Intel, Samsung – und eine lange Liste an Banken, von Citigroup bis BNP Paribas.

Der Beratungsriese EY hat Mitte April das Projekt „Nightfall“ vorgestellt. Das ist eine Software, die den Firmenkunden von EY bei der Nutzung der Ethereum-Blockchain behilflich sein soll. 200 Entwickler haben über ein Jahr an dem Produkt gearbeitet. EY denkt an Einsatzbereiche wie Lieferketten und Transaktionen.

EY will mit „Nightfall“ direkt auch kein Geld verdienen. Die Plattform wird gratis zur Verfügung gestellt, eine Lizenz ist nicht notwendig. EY’s Blockchain-Chef Paul Brody erklärt:

„Wir wollen die Akzeptanz und das Community-Engagement maximieren. Wir wollen, dass die Menschen es übernehmen, anpassen und verbessern. Wenn wir das Eigentum behalten, können die Menschen nicht so viel Zeit und Energie in etwas investieren, das sie vielleicht nicht kontrollieren. Der sauberste Weg, um alle dazu zu bringen, es zu benutzen, ist, es einfach ohne Bedingungen zu verschenken. Ein Jahr Programmierarbeit. Das ist eine Million Dollar wert, was wir verschenken.“[13]

„Nightfall“ wird auf Microsofts Azure Cloud laufen und mit der Unternehmenssoftware von SAP integrierbar sein. EY legt besonderen Wert darauf, dass viele Industrien offene Blockchains einsetzen sollten, um die Vorteile der Technologie voll nutzen zu können. Eine Reihe privater Blockchains einzelner Firmen würde nur Silos schaffen und der Skalierbarkeit im Weg stehen. Auch bei der Behandlung von Token hat man sich einiges überlegt, so Brody:

“ Wir haben eine große Investition in die Token-Technologie getätigt. Wir haben eine spezielle Art von Token entwickelt, die ERC 721-kompatibel ist, um einen physischen Vermögenswert vom rechtlichen Eigentum an diesem Vermögenswert zu trennen.“[14]

S&P 500 auf der Blockchain

Ein anderes, extrem spannendes Projekt auf Basis von Ethereum, will den alten und den neuen Finanzmarkt besser miteinander verknüpfen. Die Plattform UMA (Universal Market Access) hat mit „USStocks“ einen ERC20 Token geschaffen, der den amerikanischen Aktienmarkt abbildet. Genauer gesagt: die 500 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung. Anders gesagt: „USStocks“ ist ein Indexfonds auf den S&P500 Aktienindex. Er war bis vor wenigen Wochen auf der dezentralen Plattform DDEX handelbar – und zwar mit der Stablecoin DAI. Inzwischen wurde das Experiment aber wieder beendet.[15]

Man wollte nur zeigen, was möglich ist und Schlüsse daraus ziehen, so UMA in einem Blogpost. Zwar sei der Smart Contract gut angenommen worden. Aber die Krypto-Früheinsteiger würden die hohe Volatilität der Krypto-Märkte schätzen und sich eher weniger für „traditionelle“ Märkte interessieren. Wobei UMA auch zugeben musste, dass das Experiment mit acht Wochen etwas kurz angesetzt war.[16]

Source: Twitter.

Ein zentrales Problem sei aber, dass Leute, die heute keinen Zugang zum US Aktienmarkt haben, meist auch keinen Zugang zu den Kryptomärkten haben. Es braucht also wohl noch einige Zeit, bis die Kostenvorteile der Blockchain-Welt in den „normalen“ Finanzmarkt übertragen werden können. Wir werden die Entwicklungen hier aber sehr genau beobachten, weil eben diese Kostenvorteile am Ende sehr wohl vielen Menschen den Zugang zu Finanzmärkten geben könnten, die bisher ausgeschlossen sind.

Wir erwarten auch, dass der traditionelle Markt sich immer schneller in Richtung Bitcoin und Kryptoassets bewegen wird. Fidelity Investments will seinen institutionellen Kunden bald Zugang verschaffen. Die Nachfrage sei jedenfalls da. Einer Umfrage von Fidelity zufolge halten 22 Prozent der institutionellen Investoren sogar schon Kryptowährungen. Und fast die Hälfte (47 Prozent) glauben, dass digitale Assets einen Platz in ihrem Portfolio haben. Unter den befragten Anlegern waren Stiftungen, Pensionfonds und Family Offices, so Fidelity.[17]

Auch die lang erwarteten Bitcoin-Futures von Bakkt, dem Crypto Projekt der Börse ICE, die auch hinter der New York Stock Exchange steht, sollen bald starten. Am 22. Juli geht der Testbetrieb los. In einem Statement schreibt Adam White, der COO von Bakkt:

„Das ist kein kleiner Schritt. Mit dieser Einführung wird ein neuer Standard für den Zugang zu Kryptomärkten eingeführt. Im Vergleich zu anderen Märkten bleibt die institutionelle Beteiligung an Krypto aufgrund von Einschränkungen wie Marktinfrastruktur und Regulierungssicherheit eingeschränkt. Dies führt zu geringeren Handelsvolumina, Liquidität und Preistransparenz als in etablierten Märkten wie dem Brent Crude-Future-Kontrakt von ICE, der weltweites Vertrauen in die Festsetzung des Weltmarktpreises für Rohöl erhalten hat.“[18]

Bakkt will außerdem zu einem wichtigen Custodian für digitale Assets werden und sich hier in der Höhe von 100 Millionen USD versichern, um Anlegern die Sorge vor einem Verlust ihres Vermögens – etwa durch Hacks – zu nehmen. Das sind durchaus ambitionierte Pläne. Sollte der Start gut gehen, wird sich Bitcoin in unseren Augen weiter als eigene Assetklasse etablieren können – und im Ansehen traditioneller Anleger steigen.

Source: g2fp.com

Hierzulande hat die Muttergesellschaft eines unserer Sponsoren des Crypto Research Report, das Schweizer Unternehmen GenTwo, eine aktiv verwaltete Investmentzertifikateplattform (AMC) mit CAT Financial Products ins Leben gerufen. Die Plattform ermöglicht es Schweizer Vermögensverwaltern, regulierte Zertifikate zu lancieren, über die in alle Finanzanlageklassen einschließlich Kryptowährungen investieren können. Informationen über die Plattform finden sich im GenTwo-Blog, in dem Demelza Hays regelmäßig Artikel schreibt. Ihr neueste Stück „The Pursuit of Optimal Money“ erklärt, warum weder Bitcoin noch Gold gutes Geld sind. Anstatt digitales Geld zu sein, wie Bitcoin ursprünglich im Whitepaper von Satoshi Nakamoto beschrieben ist, argumentiert sie, dass Bitcoin vielmehr digitales Gold sei. Um den Blog von GenTwo zu abonnieren und exklusive neue Artikel von Demelza und anderen Autoren zu erhalten, brauchen Sie sich nur unter g2fp.com/blog anzumelden.

Die Notenbanken sind planlos

All die positiven Nachrichten zu Preis und Adoption sollen nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass es auch Schatten gibt, wo Licht ist. Die Kontroversen rund um Bitfinex und Tether nehmen kein Ende. Der Oberstaatsanwalt des US-Bundesstaates New York wirft iFinex, der Mutterfirma von Bitfinex und Tether, die missbräuchliche Verwendung von 850 Millionen USD aus der Reseve der Stablecoin Tether vor, die 1-zu-1 an den Dollar gebunden ist. iFinex bestreitet alle Vorwürfe als haltlos.[19][20]

Auch die weltgrößte Kryptobörse Binance hat in den USA Probleme mit den Behörden und will deshalb jetzt eine regulierte, US-zentrische Börse aufbauen.[21] Außerdem gab es einen Hack, bei dem die Täter Kryptowährungen (vor allem Bitcoin) in der Höhe von 40 Millionen Dollar erbeuten konnten.[22] Aber weder die Kontroverse rund um iFinex noch die Probleme von Binance konnten der Preisrally seit April etwas anhaben.

Das gilt auch für die vielen Versuche, Bitcoin und den Kryptosektor von außen zu beschädigen. Veteranen wie der Ökonom Joseph Stiglitz argumentieren weiterhin, dass Staaten und Zentralbanken eines Tages einschreiten werden, um ihr Währungsmonopol nicht zu gefährden. Stiglitz ist besonders aggressiv. „Ich glaube, wir sollten die Kryptowährungen verbieten“, sagte er Anfang Mai. Und dann:

„Ich bin ein großer Befürworter des Übergangs zu einem elektronischen Zahlungsmechanismus. Es gibt viele Effizienzvorteile. Ich denke, wir können tatsächlich eine besser regulierte Wirtschaft haben, wenn wir alle Daten in Echtzeit hätten und wissen, was die Menschen ausgeben.”[23]

Es stört ihn also nicht die Technologie, sondern nur, dass sie nicht staatlich kontrolliert wird. Das ist natürlich der Kern der Idee hinter Bitcoin: Eine Währung und Geldpolitik, die nicht von einzelnen Staaten oder Zentralbanken beeinflusst werden kann.

Viele Bitcoin-Anhänger argumentieren auch, dass es gar nicht möglich ist, Bitcoin einfach zu verbieten. Derartige Versuche sind in der Vergangenheit immer gescheitert. Beendet wurden sie aber nicht. China will mal wieder das Mining verbieten.[24] Und in Indien wird sogar eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn(!) Jahren für die Besitzer von Kryptowährungen überlegt.[25] Das steht natürlich in einem krassen Widerspruch zu den Plänen von Silicon Valley und Wall Street, die mit Bitcoin und Blockchain noch viel vorhaben.

Mitte Juli war es der US-Präsident persönlich, der Bitcoin in die Mangel nahm. Auf Twitter erklärte Donald Trump:

„Ich bin kein Fan von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, die kein Geld sind, und deren Wert sehr volatil ist und auf nichts als dünner Luft basiert. Unregulierte Kryptoanlagen können zudem rechtswidriges Verhalten erleichtern, einschließlich Drogenhandel und andere illegale Aktivitäten.“[26]

Neben seinem Rundumschlag gegen dezentrale Kryptoassets kommentierte er auch die „virtuelle Währung“ Libra von Facebook. In seiner Erklärung ließ er unmissverständlich durchblicken, dass Facebook, wenn es tatsächlich eine Bank werden möchte, ein offizielles Bankenprivileg anfordern und alle Bankvorschriften unterstellt werden müsste – genauso wie das mit allen anderen Banken der Fall ist.

Am Ende seines kleinen Twitter-Posts stellte er dann den US-Dollar als die einzige echte Währung dar, die betriebssicher und zuverlässig sei und den USD daher stärker als je zuvor machen würde. Mit all seinen provokanten Twitter-Kommentaren hate er denn auch die Bitcoin Twitter-Community in Aufruhr versetzt – viele kommentierten seinen Tweet, teils hämisch, teils seriös. Ebenfalls dürfte Trump mit seiner Äußerung bei manch einem linksliberal oder grün gesinnten Menschen eine kognitive Dissonanz ausgelöst haben: Jetzt wo sich Trump gegen Bitcoin geäußert hat, soll man sich auf die Seite des Erzfeindes schwingen oder doch für jene virtuelle Währung Position einnehmen, die oft als grösste Klimagefahr unserer Zeit dargestellt wird?

Interessanterweise bracht der Bitcoin-Preis ob der Nachricht Trumps kaum ein – und das, obschon sich mit dem US-Präsidenten die wohl einflussreichste Person in der heutigen Welt negativ über die Kryptowährung geäußert hatte. Viele Bitcoin-Enthusiasten sehen das als ein Zeichen für die Widerstandsfähigkeit und Antifragilität von Bitcoin.

Was die Einführung digitaler Währungen seitens der Zentralbanken betrifft, wie es von Joseph Stiglitz gewünscht wird, sind wir noch nicht viel weiter. Notenbanken arbeiten notorisch langsam – und innerhalb der Community ist man sich noch unsicher, ob die Technologie überhaupt Sinn macht. Der bekannte Bitcoin-Gegner und Chef der Bank of International Settlements, Agustin Carstens, warnte zuletzt vor der Einführung digitaler Zentralbankwährungen. Wenn Bürger ihr Geld via Blockchain aufbewahren können, die von einer Zentralbank betrieben wird, so könnten sie Geld aus dem traditionellen Bankensystem abziehen, was gefährlich sei.[27]

Am besten drückt es aber die Europäische Zentralbank EZB aus. Ein digitaler Euro könnte der Wirtschaft entweder helfen oder ihr schaden, heißt es in einem aktuellen Paper. Die Folgen seien einfach nicht abzuschätzen. Außerdem würde vieles von der Ausgestaltung der Währungen abhängen.

So schreibt die EZB:

„Je nach ihren spezifischen Merkmalen könnte die digitale Währung der Zentralbank es der Geldpolitik ermöglichen, ein breiteres Spektrum von Wirtschaftsakteuren direkter zu erreichen, oder die Instrumente schwächen, die der emittierenden Zentralbank für die Durchführung ihrer Geldpolitik zur Verfügung stehen.“[28]

Wie ablehnend der Zugang von Staaten und Zentralbanken sein kann, kann man in Russland beobachten. Dort sagte die Notenbankchefin Elvira Nabiullina Ende Mai:

“ Wir sind generell gegen die Einführung von Kryptowährungen in unser Währungssystem. Wir glauben nicht, dass Kryptowährungen als monetäre Stellvertreter fungieren könnten..“[29]

Lang lebe der König!

Ironischerweise sagte Nabiullina im selben Gespräch, dass Russland die Nutzung einer goldgedeckten Kryptowährung eines anderen Staates zumindest erwägen würde. Aber bisher beschäftigt sich nur eine Handvoll Notenbanken ernsthaft mit der Frage, ob sie digitale Währungen einführen sollen. Wir gehen davon aus, dass dieser Prozess noch viele Jahre dauern wird.

Bei all dieser negativen Publizität war die Welt ziemlich überrascht, als der Vorsitzende der Federal Reserve, Jerome Powell, Bitcoin mit Gold verglich. Während er vor dem Bankenausschuss des Senates aussagte, erklärte Powell, dass Bitcoin als eine Art Alternative zu Gold verwendet würde, sozusagen als spekulatives Wertaufbewahrungsmittel.

Ein weiterer Höhepunkt der Gefühle erlebte die Bitcoin-Community als der Kongressabgeordnete Patrick McHenry mit einer Aussage auf sich aufmerksam machte, die zeigte, dass nicht alle Beamten und Politiker keine Ahnung von Bitcoin haben oder der Kryptowährung gar feindlich gesinnt sind:

„Die Welt, die sich Satoshi Nakamoto, der Autor des Bitcoin-Whitepapers, ausgedacht hat, ist eine unaufhaltsame Kraft. Wir sollten nicht versuchen, diese Innovation zu verhindern…. diejenigen, die es versucht haben, sind bereits gescheitert…“[30]

Aber das war nicht das einzige Lob, das Bitcoin von Vertretern des Kongresses erhielt. So war es auch Warren Davidson, der die eher pointierte Aussage machte, wonach es auf der einen Seite Bitcoin und auf der anderen Seite Shitcoins gäbe.[31] Während selbst bei krypto-freundlichen Bankern der Begriff des „Shitcoin“ aus Anstand eher vermieden wird, ist es umso erstaunlicher, dass eine solche Formulierung im Kongresshaus, wo man diese am wenigsten erwarten würde, ertönt.

Noch immer werden Bitcoin und die Kryptowelt vielerorts angefeindet. Doch gibt es auch einige sehr aufschlussreiche positive Aussagen von öffentlichen Persönlichkeiten, die durchaus zeigen, dass mehr und mehr Menschen aufwachen und allmählich verstehen, worum es bei Bitcoin überhaupt geht.

Projekte wie die Facebook-Coin „Libra“, die Bakkt-Futures, die Fidelity-Plattform für institutionelle Investoren und Experimente wie der Aktien-Fonds auf Ethereum-Basis werden kurz- und mittelfristig weit mehr Bedeutung für den Sektor haben, als die Statements und Experimente der Notenbanken.

Das sieht auch der Langzeit-Bulle Mike Novogratz so. „Ich fühle mich in Bezug Bitcoin besser denn je zuvor“, sagte er kürzlich zu Bloomberg. Der Mitgründer und CEO von Galaxy Investment Partners hat zwar zugegeben, in der Vergangenheit übertrieben optimistisch gewesen zu sein. Aber dennoch: Bitcoin habe sich inzwischen bewiesen und fungiere als Wertspeicher, wie Gold. Andere Kryptowährungen müssten ihre Nische erst finden und nachhaltig besetzen, so Novogratz.

Oder anders gesagt: Der König ist tot, lang lebe der König!


[1] See “Everyone is Getting Hilariously Rich, And You’re Not!,” Nellie Bowles, The New York Times, January 13, 2018.

[2] See “Amid Bitcoin Uncertainty, ‘the Smart Money Knows That Crypto Isn’t Ready,’” Nathanial Popper, The New York Times, April 2, 2019.

[3] See “Bitcoin mysteriously rocketed above $5,000 – and one theory pins the rally on an April fool’s gag,” Trista Kelley, Business Insider, April 2, 2019.

[4] See “Bitcoin jumps 20 percent, mystery order seen as catalyst,” Tom Wilson and Tommy Wilkes, Reuters, April 2, 2019.

[5] “Is it still possible for BTC to hit the phase 1 line? Even though indicators are now bullish, there is historical precedence. Yes, one example is sugar.” [Tweet ], Leah Wald, Twitter, May 21, 2019.

[6] See “Bitcoin in Heavy Accumulation,” Adamant Capital, April 18, 2019.

[7] See “Facebook is reportedly looking for allies to support its planned cryptocurrency payment service,” Salvador Rodriguez, CNBC, May 2, 2019.

[8] See “Facebook in Talks to Build Ecosystem for Planned Stablecoin: WSJ,” Yogita Khatri, CoinDesk, May 3, 2019.

[9] See “Facebook’s New Cryptocurrency, Libra, Gets Big Backers,” Anna Maria Andriotis, Peter Rudegeair and Liz Hoffman, The Wall Street Journal, June 13, 2019.

[10] See “WhatsApp at Facebook F8: ‘Sending Money Should Be As Easy As Sending Photos’ – Mark Zuckerberg,” Trisha Jalan, Medianama, May 2, 2019.

[11] See “You Can Now Buy Xbox Games With Bitcoin,” Dan Kedmey, Time, December 11, 2014.

[12] See “Microsoft Wants To Protect Your Identity With Bitcoin,” Gregory Barber, Wired, May 14, 2019.

[13] See “Auditor EY Unveils Nightfall, An Ambitious Bid to Bring Business to Ethereum,” Anna Baydakova, CoinDesk, April 16, 2019.

[14] Ibid.

[15] See “Announcing US Stock Index Token, Powered by UMA and Dai,” Hart Lambur, Medium, March 27, 2019.

[16] See “USStocks: Learnings and Next Steps,” Allison Lu, Medium, May 15, 2019.

[17] See “Fidelity is reportedly about to offer cryptocurrency trading for pros within a few weeks,” Maggie Fitzgerald, CNBC, May 6, 2019.

[18] See “Putting Bakkt’s Bitcoin Futures to the Test,” Adam White, Medium, June 13, 2019.

[19] See “Bitfinex Used Tether Reserves to Mask Missing $850 Million, Probe Says,” Paul Vigna, The Wall Street Journal, April 25, 2019.

[20] See “Bitfinex and Tether respond to NYAG in court saying that there is no ongoing fraud, and no victims,” Larry Cermak, The Block, May 6, 2019.

[21] See “Binance Says It’s Launching a US Exchange With FinCEN-Registered Partner,” Nikhilesh De, CoinDesk, June 13, 2019.

[22] See “Binance Suffers $40 Mln Hack, Crypto Community Outraged After CZ Suggested Bitcoin Rollback to recover Funds,” Alex Dovbnya, U.Today, May 8, 2019.

[23] See “Joseph Stiglitz: ‘We should shut down the cryptocurrencies,’” Andrew Davies, CNBC, May 6, 2019.

[24] See “China Plans to Ban Cryptocurrency Mining in Renewed Clampdown,” Edwin Chan, Bloomberg, April 9, 2019.

[25] See “Exclusive: India Proposes 10-Year Jail For Cryptocurrency Use, May Introduce Its Own Digital Currency,” Nikunj Ohri, Bloomberg, June 7, 2019.

[26] [Tweet], Donald Trump, Twitter, July 11, 2019.

[27] See “Bitcoin Critic Warns Against Central Banks Issuing Own Tokens,” Catherine Bosley, Bloomberg, March 22, 2019.

[28] See “Digital Euro Could Either Help or Harm Economy, ECB Paper Says,” Carolynn Look, Bloomberg, May 17, 2019.

[29] See “Bank of Russia may consider gold-backed cryptocurrency,” Russian News Agency, May 23, 2019.

[30] See “’There’s Bitcoin and Then There’s Shitcoin (Libra).’ Congress Finally Gets It,” Ben Brown, CNN, July 18, 2019.

[31] Ibid.

Written by

Nikolaus Jilch
Nikolaus is a journalist with the daily paper „Die Presse“ in Austria. Among other things, he covers monetary policy, precious metals, and general macro topics. He is also the author of a weekly finance column called „Wertsachen“. Nikolaus has been writing about Bitcoin and the blockchain since 2012.

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